Akupunktur in der Schwangerschaft

Akupunktur ist eine ideale Möglichkeit, verschiedene Beschwerden in der Schwangerschaft risikoarm zu behandeln. Eine Verbesserung kann oft schon nach wenigen Sitzungen erreicht werden. Darüber hinaus spüren viele Frauen im Verlauf der Behandlung mehr Energie und Lebensfreude, was nach chinesischer Vorstellung darauf zurückgeführt werden kann, dass der Energiefluss (chinesisch: „Qi“) wieder frei durch den Körper fließen kann.
 
In den ersten drei Monaten kann eine Hyperemesis gravidarum (Schwangerschaftserbrechen) durch Akupunktur gut therapiert werden. Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) handelt es sich hier um eine sogenannte „Schwäche der Mitte“, bei der sich die Richtung des Energieflusses im Magenbereich umkehrt („rebellisches Magen Qi“). Dies verursacht Übelkeit und Erbrechen. Akupunkturbehandlungen werden alle 2-3 Tage empfohlen, bei starken Beschwerden zunächst eventuell auch täglich. Zusätzlich zur Akupunktur sind eine Umstellung der Ernährung und ein Kräutertee sinnvoll.

Im Verlauf der späteren Schwangerschaft tritt oft ein unangenehmes Sodbrennen auf, für das sich ebenfalls eine Akupunkturbehandlung anbietet. Die Ursache dafür ist nach chinesischer Vorstellung sehr ähnlich wie bei der Übelkeit der ersten Monate, nur kommt hier zu der Umkehr des Qi-Flusses noch ein Fülle-Zustand dazu, der abgeleitet und beruhigt werden muss. Sodbrennen tritt oft erst in den letzten 4 Wochen auf und kann dann zusammen mit einer geburtsvorbereitenden Akupunktur mit behandelt werden. Eventuell werden aber wegen des Sodbrennens einige zusätzliche Sitzungen notwendig.

Viele Schwangere leiden unter Rückenschmerzen, die durch das zunehmende Gewicht und die schwangerschaftsbedingte Auflockerung der Sehnen und Bänder bedingt sind. Eine medikamentöse Therapie ist nur sehr eingeschränkt möglich. Akupunktur hat sich bei dieser Indikation bewährt und führt fast immer zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden. Die Behandlungen werden 2-3 mal pro Woche empfohlen.

Im Rahmen einer vermehrten Wassereinlagerung kann es bei Schwangeren zu einem Karpaltunnelsyndrom kommen. Dabei lagert sich im Bereich der Sehnenscheiden des Handgelenkes, dem Karpaltunnel, vermehrt Wasser ein, das den Gewebedruck auf die Nerven, v.a. den Nervus medianus erhöht. Es kommt zu Schmerzen und Gefühlsstörungen im Bereich der Hände. Vor allem in der Nacht, wenn die Hand nicht bewegt wird, können die Beschwerden äußerst unangenehm werden. Eine ursächliche Therapie durch eine Operation ist während der Schwangerschaft nicht indiziert, da die Probleme meistens nach der Geburt von allein verschwinden. Durch Akupunktur können der Energiefluss und der Wassertransport durch das Handgelenk angeregt werden und die Schmerzen dadurch verringert werden. Auch hier sind mehrere Sitzungen pro Woche je nach Ausmaß der Beschwerden zu empfehlen.

Auch ohne nächtliche Schmerzen klagen viele Schwangere über Schlafstörungen. Diese haben ihre Ursache sowohl in den Schwangerschaftshormonen, sind also ganz normal, aber auch das zunehmende Gewicht des Bauches stört bei jeder Lageänderung im Bett. Dazu kommen die Bewegungen des Kindes, die in der Nacht oft sehr viel intensiver wahrgenommen werden. An all diesen Faktoren kann man nichts ändern, allerdings kann durch Akupunktur eine Harmonisierung des Tag-Nacht-Rhythmus erreicht werden, welche Sie am Abend besser zur Ruhe kommen lässt und der Seele die nötige Entspannung in der Nacht bringt.

Im Rahmen der Geburtsvorbereitung hat sich die Akupunktur inzwischen als bewährte Methode sowohl zur Verkürzung der Wehendauer als auch zur Reduzierung der Geburtsschmerzen etabliert. Die Akupunkturbehandlungen beginnen in der 36. Schwangerschaftswoche und werden einmal wöchentlich durchgeführt. Schon nach wenigen Sitzungen kann der deutlich weichere Muttermund und damit der Therapieerfolg bei der Tastuntersuchung des Muttermundes nachvollzogen werden. Durch die geburtsvorbereitende Akupunktur wird für die entbindende Frau nicht nur ein schöneres Geburtserlebnis ermöglicht, sondern sie kann unter der Geburt auch ihre Kraftreserven sinnvoller einsetzen. 

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