Vorsorge ab 20

Ab dem 20. Lebensjahr sieht Ihre Krankenkasse einmal im Jahr die sogenannte Krebsvorsorgeuntersuchung vor. Als ärztlichen Leistung ist hier eine körperliche Untersuchung des Unterbauches mit einer Entnahme von Zellmaterial (Abstrich) vom Gebärmutterhalskanal festgelegt.

Für eine junge Frau ist Gesundheit und Wohlbefinden zunächst einmal selbstverständlich. Der Gedanke an mögliche Krankheiten oder Risiken liegt eher fern.
Trotzdem ist es wichtig für Sie zu wissen, welche eventuellen Risikofaktoren Sie für das Auftreten von Krankheiten haben könnten. Über einige der gynäkologischen Krankheiten, die auch in Ihrem jungen Alter schon auftreten können, möchten wir Sie im Anschluss informieren.

Eine Tastuntersuchung der Brust ist von den Kassen erst ab dem 30. Lebensjahr im Rahmen der Vorsorge vorgesehen. Diese wird allerdings in unserer Praxis routinemäßig auch schon in Ihrem Alter durchgeführt, ohne dass Ihnen hierfür Kosten entstehen. Bei einer jungen Frau wie Ihnen stellt der Brustkrebs noch eine Rarität dar, allerdings können gutartige Tumore auch durchaus in dieser Lebensphase auftreten.

Eine Ultraschalluntersuchung des inneren Genitale, zusätzlich zu der im Rahmen der Vorsorge von Ihrer Krankenkasse vorgesehenen Tastuntersuchung, bietet eine zusätzliche Sicherheit in der Früherkennung von gutartigen und bösartigen Tumoren der Gebärmutter und der Eierstöcke.

Der Gebärmutterhalskrebs war früher der häufigste Krebs der Frau und liegt heute aufgrund der Vorsorgeuntersuchungen nur noch an dritter Stelle. Durch regelmäßige Abstriche werden Veränderungen normalerweise so früh erkannt, dass sie schon im Vorstadium eines Krebses rechtzeitig behandelt werden können.

Können Krebsabstriche noch verbessert werden? Ja, es kann vorkommen, dass die Zellen in unterschiedlicher Dicke auf den Objektträger aufgetragen werden, dass sich zu viele Zellen auf einer Stelle befinden, oder dass sie sich überlappen. Dadurch kann es schwierig werden, alle Zellen zu beurteilen. Außerdem wurde in Studien gezeigt, dass die meisten Zellen nicht auf den Objektträger aufgetragen, sondern mit dem Instrument, mit dem die Probe entnommen wird, weggeworfen werden.

Wodurch unterscheidet sich der Thin Prep Test? Die Zellen werden auf dieselbe Art gewonnen. Der Test verursacht keine zusätzlichen Beschwerden. Die Zellen werden dabei nicht auf einen Objektträger aufgetragen, sondern in einen Plastikbehälter mit einer Konservierungslösung gespült. Dadurch werden die Zellen aus dem Entnahmegerät gelöst und gelangen in die Flüssigkeit; so werden alle abgestrichenen Zellen auch für die Untersuchung erhalten. Der Thin Prep Pap Test ist die erste wirkliche Verbesserung des Krebsabstriches seit seiner Einführung vor 30 Jahren. Weltweite Studien haben gezeigt, dass der Thin Prep Pap Test genauere Angaben zulässt als der herkömmliche Abstrich.

Wir bieten ihnen den Thin Prep Pap Test für Ihre persönliche Risikoabschätzung als individuelle Gesundheitsleistung an. Die Kosten werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berechnet.

Fast jeder Gebärmutterhalskrebs entsteht durch eine Infektion mit einem HPV-Virus, welcher ausschließlich durch sexuellen Kontakt übertragen wird. HPV-Viren zählen zu den häufigen sexuell übertragenen Erregern. Bis zum 30. Lebensjahr sind daher ca. 60% aller deutschen Männer und Frauen damit in Kontakt gekommen. Bestimmte HPV-Typen treten gehäuft bei Gebärmutterhalskrebs auf, andere verursachen die Condylome (oder Feigwarzen) im Genitalbereich, welche zwar nicht bösartig, aber hochansteckend sind. Ergänzend zu Ihrer Vorsorge bieten wir Ihnen einen Suchtest auf HPV Viren (Abstrich) als zusätzliche Gesundheitsleistung an.

Schon seit längerer Zeit Zeit wird die Impfung gegen HPV für junge Mädchen von 9-17 Jahren von den Krankenkassen bezahlt. Ab dem 18. Geburtstag muss die Impfung selbst finanziert werden, manche Krankenkassen geben aber nach Antragstellung einen Kostenbeitrag dazu. Für eine noch nicht geimpfte junge Frau ist diese Impfung in jedem Falle sinnvoll, auch wenn sie bereits Geschlechtsverkehr hatte und eventuell mit einem HPV-Virus schon Kontakt hatte, da in dem Impfstoff die wichtigsten neun HPV-Typen abgedeckt werden.

Auch einige andere Krankheiten können sexuell übertragen werden. Sie stellen ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsproblem dar, da sie häufig nicht erkannt werden, wenn sie mit nur wenig Beschwerden verlaufen. Wir möchten Sie insbesondere auf die folgenden Krankheiten hinweisen:

Chlamydieninfektionen
Chlamydien sind Bakterien und gehören zu den häufigen sexuell übertragbaren Krankheiten. Viele Menschen tragen diese Bakterien in sich, ohne es zu wissen, durch Geschlechtsverkehr können die Erreger an andere weitergeben werden. Auch wenn die Infektion meistens keine Beschwerden verursacht, kann sie dennoch für junge Frauen ernste Folgen haben. Im schlimmsten Fall kann es durch Verklebung der Eileiter zu Unfruchtbarkeit kommen. In Deutschland geht man derzeit von ca. 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Das Risiko der Infektion steigt mit der Zahl der Sexualpartner.  Etwa 7 von 10 infizierten Frauen haben keine Symptome und merken daher von der Erkrankung nichts. Eine diagnostizierte Erkrankung kann mit Antibiotika aber leicht behandelt und ausgeheilt werden. Die Kosten für einen Früherkennungstest im Urin werden einmal im Jahr bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Je nach Lebensstil (feste Beziehung oder Single) ist der jährliche Test auch nach dem 25. Lebensjahr unbedingt empfehlenswert.

Hepatitis B
Der Hepatitis-B Virus kann ebenfalls bei sexuellen Kontakten übertragen werden und ist um ein Vielfaches ansteckender als das AIDS-Virus HIV. Bis zu 10% der Erkrankten bleiben nach einer akuten Leberentzündung als Virusträger auf Dauer infektiös. Ein Drittel dieser Patienten entwickelt eine chronische Hepatitis, die nicht selten nach vielen Jahren in eine Leberzirrhose oder auch in Leberkrebs übergehen kann. Eine Hepatitis B-Impfung schützt wirksam gegen diese Infektion. Sie wird von den Krankenkassen für junge Mädchen bis zum 18. Geburtstag bezahlt. Später ist dies eine Impfung, welche selbst bezahlt werden muss, viele Krankenkassen erstatten sie aber nach einem Antrag auf Kostenübernahme trotzdem.

Thromboserisiko
Die meisten Frauen haben schon davon gehört, dass die Einnahme einer „Pille“ zur Verhütung das Risiko für das Auftreten einer Thrombose erhöhen kann. Die weiteren wichtigsten Risikofaktoren sind das Rauchen und eine vererbliche Blutgerinnungsstörung. Eine Thrombose ist eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß, meistens einer Beinvene bildet und dieses damit verstopft. Eine gefürchtete Komplikation ist die sog. Lungenembolie, bei der sich dieses Blutgerinnsel losreißt und durch das Herz bis in die Lunge gelangt, wo es einem Teil der Lunge die Blutversorgung entzieht. Das Rauchen zusammen mit der Einnahme der Antibabypille wird als die zweithäufigste Todesursache bei jungen Frauen beschrieben. In unserer Praxis erhalten Sie daher vor Verschreibung der Pille einen Fragebogen, mit dem wir Ihr ganz persönliches Risikoprofil eingrenzen können. Ob sie rauchen oder nicht, haben Sie selbst in der Hand! Ob ein genetisches Risiko der Familie für eine Thrombose besteht, wissen die meisten Menschen nicht. Die Krankenkassen zahlen einen Bluttest dafür nur bei Vorliegen eines konkreten Verdachtes. Wenn Sie Ihr persönliches Risiko besser einschätzen möchten, können Sie diesen Test auf eigene Kosten bei uns durchführen lassen.

Und falls Sie bei Ihrem Vorsorgetermin über moderne Verhütungsmethoden informiert werden möchten, haben wir auf unserer Website zu diesem Thema einige Informationen zusammengestellt. Weitere Fragen klären wir dann gerne im persönlichen Gespräch.

Wenn Sie aktuell schwanger werden möchten, lesen Sie anschließend bitte auch noch die Informationen zum Thema Kinderwunsch.

Und zu guter Letzt

Wann wurde zum letzten Mal Ihr Impfausweis kontrolliert?  Im Kindesalter prüft dies regelmäßig der Kinderarzt, danach gerät der Impfausweis manchmal in Vergessenheit. Wir bieten Ihnen als qualifizierte Impfpraxis eine kostenlose Beratung über eventuell notwendige Auffrischimpfungen an. Diese können im Anschluss von uns direkt durchgeführt werden. Seit Juni 2020 bieten wir Ihnen zusätzlich den kostenlosen Service, Sie in Zukunft an fällige Impftermine zu erinnern. Die weitaus meisten Impfungen werden übrigens von der Krankenkasse bezahlt.

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